Wie Nutzer sich im Web bewegen


In welcher Reihenfolge besuchen und bewerten Menschen Restaurants, beispielsweise in Italien? Auf diese Frage gibt es mehrere Hypothesen als Antwort. Die Frage ist nun: Welche davon passt besser auf die beobachteten Daten der Nutzer, im Bild rechts unten? Am wahrscheinlichsten ist wohl die Variante rechts oben: Hier bestimmt der regionale Bezug die Abfolge. (Grafik: Philipp Singer)

Ein neuer Ansatz zum Vergleich von Hypothesen über die Bewegung von Nutzern im Web: Diese Arbeit wurde jetzt auf der „World Wide Web-Konferenz“ in Florenz mit dem Best Paper Award ausgezeichnet. Daran beteiligt war der Würzburger Informatikprofessor Andreas Hotho.

Wie sich Nutzer im Web bewegen: Darüber gibt es viele Hypothesen, Theorien und Modelle. Jetzt haben Wissenschaftler aus Würzburg, Köln und Graz einen neuen Ansatz entwickelt, der es möglich macht, diese Hypothesen untereinander zu vergleichen. Daran beteiligt waren Andreas Hotho, Professor für Data Mining und Information Retrieval am Lehrstuhl für Informatik VI der Universität Würzburg, Philipp Singer und Markus Strohmaier von GESIS, dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, sowie Denis Helic von der Technischen Uni Graz.

„Der Ansatz erlaubt die Bewertung und den Vergleich unterschiedlicher Erklärungen für das Benutzerverhalten, beispielsweise die Abfolge von besuchten Restaurants oder von Webseiten“, erklärt Andreas Hotho. Dafür haben sich die Wissenschaftler Bewertungsportale im Internet angesehen und untersucht, in welcher Reihenfolge bestimmte Nutzer Restaurants bewerten und demzufolge auch besuchen. Anschließend haben sie verschiedene Hypothesen entwickelt, die Aussagen darüber treffen, wer welche Restaurants in welcher Reihenfolge aufsucht.

Ähnlich die Vorgehensweise im Fall der Webseiten: „Hierzu nutzt man die Logs der Webserver und schaut sich die Abfolge der besuchten Seiten der Nutzer an“, erklärt Hotho. Auch für diese „sequentiellen Daten“, wie es in der Fachsprache heißt, hat das Team Hypothesen entwickelt, mit denen sich die Reihung erklären lässt, und anschließend getestet. „Das Schöne daran ist, dass die Methode nicht nur auf das Web beschränkt ist, sondern für jede dieser Abfolgen einen qualitativen Vergleich verschiedenen Hypothesen erlaubt“, so Hotho.

Die Arbeit könne damit dazu beitragen, sowohl die Gestaltung von webbasierten Informationssystemen zu verbessern als auch sequentielle Daten am Web besser zu verstehen, so der Informatiker. Für diese Arbeit wurde das Team jetzt auf der 24. World Wide Web-Konferenz WWW‘2015 in Florenz (Italien) mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

Die World Wide Web-Konferenz

Mit rund 1600 Teilnehmern ist die World Wide Web-Konferenz die weltweit führende Veranstaltung im Bereich der Webforschung. 929 Artikel hatten Wissenschaftler im Vorfeld des Treffens eingereicht; davon waren 131 Beiträgen angenommen worden. Das entspricht einer Akzeptanzrate von rund 14 Prozent. Im Rahmen der Konferenz präsentierten Wissenschaftler aus Stanford, Princeton, Harvard, Oxford, Cornell oder der Columbia University und aus Unternehmen wie zum Beispiel Google, Facebook, Microsoft und Yahoo ihre aktuellsten Arbeiten auf dem Gebiet der Webforschung.

In den vergangenen beiden Jahren wurden jeweils exzellente Arbeiten der Universitäten Stanford (2013) und Harvard (2014) mit dem Best Paper Award prämiert. Im Jahr 2015 erhielt die Forschungsarbeit von Philipp Singer, Denis Helic, Andreas Hotho und Markus Strohmaier diese Auszeichnung.

Die ausgezeichnete Arbeit

P. Singer, D. Helic, A. Hotho, and M. Strohmaier. Hyptrails: A bayesian approach for comparing hypotheses about human trails. In 24th International World Wide Web Conference (WWW2015), Firenze, Italy, May 18 - May 22, ACM, 2015.

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Kontakt

Prof. Dr. Andreas Hotho, T: (0931) 31-88453, hotho@informatik.uni-wuerzburg.de

 

Quelle: Opens external link in current windoweinBLICK vom 2.6.2015

02.06.2015, 11:59 Uhr